Energieeffizienter Neubau

Der Grund für meine lange Abwesenheit von diesem Blog war zum einen unser energieeffizienter Neubau, sowie die (vorrübergehende) Krankheit unseres Sohnes.

Da unser Bau nun fertig gestellt ist… bis auf ein paar Schönheitsreparaturen und diverse Kleinteile… kann ich nun auch wieder etwas mehr berichten. Unter anderem von meiner persönlichen Energiewende. Inspiriert dazu, meine Erfolgsstory (hoffentlich) zu veröffentlichen, haben mich die Energieblogger und das Energie-Beratungs-Zentrum Hildesheim.

Bereits in der Planungs- und Bauphase war es mein Ziel, die Energiekosten möglichst gering zu halten, und zudem eine hohe Unabhängigkeit von primären Energieträgern anzustreben. Da wir zusammen mit einem Bauträger gebaut haben (ohne ist im Großraum München fast ein Ding der Unmöglichkeit), wurde uns bereits ein KfW70 Haus angeboten. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben, und habe zum Angebot einige Parameter verändert. Um es vorweg zu sagen: Besser als KfW70 wurden wir nicht. Dazu hätten wir noch zusätzlich mehr dämmen müssen. Folgende Änderungen haben wir durchgeführt, damit es ein energieeffizienter Neubau wird:

  1. Wärmepumpe statt Gastherme

    Der Grundwasserspiegel ist bei uns in Freising, besonders im Stadtteil Lerchenfeld recht hoch. Also hat sich als Heizung eine Grundwasserwärmepumpe regelrecht angeboten. Der zweite Kamin und der vorgesehene Gasanschluss konnte entfallen. Alles in allem hatte die Wärmepumpe im Gegensatz zur Gastherme schlussendlich einen Aufpreis von ca. 9.000 Euro. Ich hoffe, dass sich dieser Aufpreis über die Zeit amortisiert. Installiert wurde die Anlage WW114NT mit Frischwassercenter vom Hersteller Orange Energy. Da im gesamten Haus eine Fußbodenheizung verlegt ist, wurde zusätzlich noch ein 800 Liter Pufferspeicher aufgebaut. Bezüglich Legionellen gibt es keine Probleme, obwohl das Brauchwasser nicht heißer als 48°C wird. Grund dafür ist das Frischwassercenter, das Brauchwasser bedarfsgerecht mittels Wärmetauscher erhitzt, so dass kein warmes Wasser bevorratet wird. Der Pufferspeicher ist ein abgeschlossenes System, in dem ausschließlich für die Fußbodenheizung geeignetes Wasser zirkuliert. Da die Wärmepumpe nach der Installation auch noch für das Trockenheizen des Estrichs genutzt und erst vor einem guten halben Jahr installiert wurde, ist der Wert noch nicht belastbar, aber mit heutiger Ablesung (21.09.2014) habe ich eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 4,3 auf dem Zähler stehen. Mal sehen wie es sich im Winter entwickelt, aber bisher sieht das gut aus.
    Edit 18.04.2015: Den Energiebedarf der Wärmepumpe dokumentiere ich auf meiner Seite Energieverbrauch 2015. Aktuell bewegt sich die JAZ bei etwa 4,7.

  2. Photovoltaikanlage

    Um der galoppierenden Strompreisentwicklung Einhalt zu gebieten, haben wir uns entschieden eine Photovoltaikanlage auf unser Südwest-Dach zu installieren, und auf die Montage von solarer Heizungsunterstützung zu verzichten. Grund war der, dass am meisten heißes Wasser zur Verfügung steht, wenn es eigentlich nicht gebraucht wird, nämlich im Sommer. Wenn man sich aber auf Solar stützt, sollte meiner Meinung nach das Gesamtsystem entsprechend ausgelegt sein, sprich es müsste ein sehr großer Warmwasserspeicher verfügbar sein. Wir haben uns für die Photovoltaik entschieden, da wir für unser Heizsystem ja Strom benötigen, und diesen, zumindest in den Sommermonaten, großteils selbst erzeugen. Installiert ist eine 6,67 kWp-Anlage. Module von LG mit 290 Watt (Typ LG290N1C), einem SMA Wechselrichter (Sunny Tripower 7000TL-21). Da bei mir die Einspeisevergütung 0,1407 Euro nicht übersteigt, lohnt es sich für uns, den Eigenverbrauch zu optimieren. Dazu setzen wir ein Energiemanagement von Eco-Data ein. Es handelt sich um den Powerdog L, kombiniert mit Funksteckdosen von Plugwise. Diese können programmiert und von Powerdog angesteuert werden. Zum Beispiel wird die Waschmaschine dann eingeschaltet, wenn von der Photovoltaikanlage genügend Energie geliefert wird. Spätestens jedoch zu einem vorher definierten Zeitpunkt. Dies ist der erste Schritt zu einer Steigerung des Eigenverbrauchs und somit mehr Unabhängigkeit. Nach einem vernünftigen Zeitrahmen gehen die Überlegungen in Richtung eines Batteriespeichers, um die Effizienz des Systems noch weiter zu steigern.

  3. Kaminofen

    Wir haben uns für einen Kaminofen der Firma Olsberg entschieden. Dies hatte keine wirtschaftlichen Gründe, sondern soll den Wohlfühlcharakter erhöhen.

  4. Kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL)

    Ein weiterer Punkt, der zur besseren Energiebilanz beiträgt ist die Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Es handelt sich um das Gerät Comfoair 350 der Firma Zehnder. Auch hier kann ich noch kein Urteil abgeben, da der erste Winter erst noch kommt. Bisher zeigt sich bei Messungen aber ein sehr angenehmes Wohnklima.

 

Zusammengefasst ergibt sich mit dem Angebot zum Hausbau, sowie den durchgeführten Anpassungen ein Energiebedarf des Gebäudes von 3,7 kWh/(m² a) und ein Primärenergiebedarf von 9,6 kWh/(m² a), bei einer Gebäudenutzfläche von 235,7 m². Dies entspricht eigentlich schon fast einem Passivhaus. Sollten die energetischen Gesetze aber noch strenger werden, kann ich immer noch eine Dämmung anbringen, und so die Energieeffizienz noch steigern.

Comments 3

  1. Eine sehr schöne Übersicht. Viel kann durch effizientes Heizen gespart werden. Bekannte von mir kommen durch intelligente Heizsysteme bei ihrem Haus auf monatliche Nebenkosten, die deutlich unter einer 4-Raum Mietwohung liegen. Wenn niemand da ist wird einfach auch kein Wasser angeheizt usw. Das hat schon was.

  2. Hallo, wirklich gute Erklärungen wieso welche Heizsysteme gewählt wurden. Ich denke, ich werde meine Heizungssanierung ähnlich gestalten. Gerade bei Solarkollektoren für den Wassererwärmer, habe ich mir auch schon Gedanken über Zeiten, wo mir dann das Warmwasser zur Verfügung steht, gemacht. Dass das nicht gerade optimal ist, leuchtet ein. Auch werde ich für den Winter auf jeden Fall über das Heizen mit Holz nachdenken. LG

  3. Pingback: Eigenverbrauch 2014 - Übersicht - Rainers Blog

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